Kontakt
Tierverhaltenstherapie
Problemverhalten
Qualifikation
Literatur
Lageplan
Links für Tierärzte
Links für Tierbesitzer
 

Problempferde
 

     
     
    Unerwünschtes Verhalten

    Definition
    Unter unerwünschtem Verhalten versteht man Verhaltensweisen, die dem Normalverhalten der Pferde im weiteren Sinne entsprechen, jedoch Probleme bei der Haltung und Nutzung bereiten.

    Begünstigende Faktoren sind

    • Inadäquate Haltung
    • Gebäudebedingte Mängel
    • Individuelle Charaktereigenschaften


    Ursachen für unerwünschtes Verhalten sind

    • Schmerz
    • Angst
    • Nicht geklärte Rangverhältnisse
    • Erlerntes Verhalten (Belohnung zum falschen Zeitpunkt)


    Unerwünschte Verhaltensweisen in Umgang und Haltung
    Nicht-Einfangen-Lassen
    Nicht-Anbinden-Lassen
    Nicht-Führen-Lassen
    Nicht-Putzen-Lassen
    Probleme beim Beschlagen
    Probleme beim Verladen
    Beißen
    Schlagen
    Deckenreißen
    Barrenwetzen
    Futterstreuen
    Scharren

    Unerwünschte Verhaltensweisen bei der Nutzung
    Durchgehen
    Pullen
    Scheuen
    Kleben
    Bocken
    Steigen
    Sattelzwang
    Schweifschlagen
    Zungenschleppen
    Kopfschlagen
    Kopfscheue
    Lippenschlagen
    Zähneknirschen
    Zackeln
    Abstreifen des Reiters
    Startboxverweigerung
     

    Vorbeugung und Therapie von unerwünschten Verhaltensweisen

    Neben einer artgerechten Haltung und Fütterung ist v.a. ein tiergerechter Umgang 
    wichtig, um unerwünschtes Verhalten zu vermeiden.

    • keine Überforderung
    • keine Unterforderung

    • Rangordnungsübungen wie

    Korrektes Führen
    Auf Kommando anhalten
    Rückwärtsrichten
    Dominanzvolte
    an der langen Leine hinter dem Pferd gehen
    Bodenarbeit
    Beim Ausmisten zur Seite gehen oder zurücktreten lassen
    Durchsetzungsfähige und energische Reitweise


    • vertrauensbildende Maßnahmen wie

    vorsichtiges Heranführen an unbekannte Objekte
    behutsames Vorgehen beim Einreiten
    Zusammensein mit dem Pferd außerhalb der üblichen Reitzeiten
    Putzen
    Kraulen am Widerrist
    Belohnung für richtiges Verhalten
    Verhaltenstherapie

    Ängste, Phobien, Rangordnungsprobleme, erlerntes und Aufmerksamkeit forderndes Verhalten können verhaltentherapeutisch behandelt werden mit Maßnahmen wie

    • Gegenkonditionierung
    • Bestrafung und Unterordnung
    • Desensibilisierung
    • Reizüberflutung
    • Ermüdung
    • Auslöschung

     

    Verhaltensstörungen

    Definition
    Eine Verhaltensstörung ist ein Verhalten, das in Hinblick auf Modalität, Intensität oder Frequenz erheblich und andauernd vom Normalverhalten abweicht

    Einteilung nach Ursachen
    Eine Verhaltensstörung kann vorliegen

    • Als Symptom einer Begleiterkrankung, wie z.B. Kopfschütteln bei Ohrentzündungen
    • Aufgrund eines Organdefektes, z.B. Kryptorchismus
    • Domestikationsbedingt, z.B. verringerte Fluchtbereitschaft
    • Mangelbedingt, z.B. Holzkauen bei Mineralstoffmangel
    • Durch nicht adäquate Haltungsbedingungen und nicht tiergerechten Umgang


    Haltungs- und umgangsbedingte Verhaltensstörungen

    Haltungs- und umgangsbedingte Verhaltensstörungen sind die Verhaltensstörungen im engeren Sinne.

    10% aller Pferde weltweit zeigen derartige Verhaltensstörungen. Vollblüter und Araber sowie stark veredelte Rassen sind betroffen. Aber auch einige Hengstlinien zeigen eine genetische Veranlagung.

    Die Verhaltensstörungen können nach Funktionskreisen eingeteilt werden:
     
     
    Fressverhalten Koppen
    Zungenspiel
    Exzessives Benagen von Holz
    Barrenwetzen und Gitterbeißen
    Bewegungsverhalten Weben
    Boxen-, Zaun-, Achterlaufen
    Exzessives Scharren
    Stereotypes Schlagen gegen Boxenwände
    Sozialverhalten Gestörte Sozialprägung
    Automutilation
    Gesteigerte Aggressivität
    Komfortverhalten Stereotypes Schweifreiben
    Stereotypes Kopfschlagen oder -schütteln

     

    Ursachen für diese Verhaltensstörungen ist ein Initialtrauma wie 

    • plötzliches Absetzen von der Mutterstute
    • Trainingsbeginn von heute auf morgen
    • Überforderung in der Ausbildung
    • Krasse Haltungsänderungen
    • Längere Boxenruhe


    Der eigentliche Auslöser sind allerdings Vorgänge, die zu einem Erregungsanstieg bei dem betroffenen Pferd führen, wie

    • Fütterung
    • Stallarbeiten
    • Personenverkehr
    • Satteln
    • Putzen


    Der Vorbeugung von Verhaltensstörungen kommt eine entscheidende Bedeutung zu.

    Denn trotz Beseitigung der ursprünglichen Mängel bleibt das von der Norm abweichende Verhalten bestehen. Es ist in der Regel therapieresistent!

    Verhaltensstörungen kommen nur unter menschlicher Obhut vor, nicht bei Wildpferden. 
    Nicht adäquate Haltungsbedingungen und nicht tiergerechter Umgang führen zu Deprivation, Frustration und Konflikten. Der daraus resultierende Triebstau legt wiederum den Grundstein für zukünftige Verhaltensstörungen.

    Von größter Wichtigkeit sind deswegen

    • ausreichender Sozialkontakt
    • ausreichende Bewegung
    • Raufutter und lange Fresszeiten
    • Umweltreize 
    • Tiergerechter Umgang 
    • Zuchtausschluss von Pferden mit einer genetischen Disposition


    Modifiziert nach Zeitler-Feicht

Letzter Eintrag 18.05.06